Trauer

Juli 7, 2007 at 9:08 (life, the universe and everything)

Carnival Of Souls

Unto the Gods I call your name
The crucifixion of my brain
As I wait for you

 

Into the fields I’ve lost my way
I’ve opened veins just for the day
As I wait for you

 

The thoughts that linger in my head
They cry out for the dead
As they wait for you
Call my name, call my name

 

Into the Carnival of Souls
Surrendered to the fight
They dance upon the edge
They dance upon the night
To wake up in the dark
And find they’ve lost their way
Their way back to the door
Their way back to the light

 

I’ve opened doors, I’ve opened minds
I’ve opened yours a thousand times
As I wait for you

 

I’ve fought the battle from the start
I’ve opened sores inside my heart
It bleeds without remorse

 

The thoughts that linger in my head
They cry out for the dead
As they wait for you
Call my name, Call my name

 

Into the Carnival of Souls
Surrendered to the fight
They dance upon the edge
They dance upon the night
To wake up in the dark
And find they’ve lost their way
Their way back to the door
Their way back to the light

 

War die letzten Wochen heftig mit Trauer konfrontiert… Keine Ahnung, wie es Dir grad so geht, aber ich war traurig. Wenn das Leben erhofften Inhalt verliert, und das mehrmals in Serie, dann kann es schon mal vorkommen, dass es sich anfühlt, als wäre es nur ein abgefuckter Wartesaal für den Tod. Wie schön, eine Jenseitshoffnung zu haben (hallo Andi — gibt es im Himmel Sex?) — aber wenn das Jenseits alles ist, was es an Hoffnung gibt, dann erschieß mich, Jesus, dann bin ich schneller da.

Vielleicht bist Du der Meinung, Trauer ist etwas unterdrückenswertes, weil es Leben raubt. Welcome to society… ich habe andere Erfahrungen gemacht, aber das ist ja glücklicherweise mein Bier. Und mein Bier werd ICH trinken, das muss mal ganz am Anfang schon klargestellt werden. Also lies oder lasses — here am I.

Hab ich Diesseitshoffnung? Ja, klar. Auf jeden Fall. Das Leben ist ein seeeehr geiles Geschenk des Schöpfers… die Ausgestaltung liegt bei uns. Und darin passiert halt manchmal ein kleines malheur… oder auch mal ein größeres. Egal. Jedenfalls hats mir echt gereicht von wegen malheur… das malheur erfordert Trauer, weil es immer mit verlorener Hoffnung zu tun hat; und von verlorener Hoffnung muss man sich angemessen verabschieden, sonst hofft man weiter auf Dinge, die es nicht mehr gibt.

Das ist verdammt schwierig. Und es tut verdammt weh. Einerseits liegt das in der Natur der Sache — es KANN nicht lockerflockig über die Bühne gehen, wenn was wertvolles ablebt. Andererseits liegts daran, dass wir nicht die Bohne einer Ahnung davon haben, was Trauer eigentlich ist und wie das geht. Zudröhnen, Gras drüber wachsen lassen, ablenken, ratenweiser Tod der Seele — das sind die Strategien der westlichen Kulturen. Trauer ist der Feind des Lebens.

Trauer ist keine Party, aber Trauer ist Leben. Ich habe es als sehr hilfreich empfunden, mir die Dinge anzuschauen, die mich bewegen. Den Schmerz zu spüren ist besser, als ihn zu ignorieren. Denn er sitzt in der Tiefe, und jedesmal, wenn wir tiefes ignorieren, werden wir oberflächlicher. Scheiß auf die Oberflächlichkeit! Wirklich Tiefe hat der, der sich auf seine Gefühle einlässt. Siehe „pain“.

Ein weiser Mann hat dazu mal gesagt, man sollte besser die Toten ihre Toten begraben lassen und vielmehr dafür sorgen, dass man dem Leben hinterherkommt. Das heißt, Trauer ist keine selfpityparty; Trauer ist kein Suhlen im was-wäre-wenn(-nicht) – Trauer ist gewolltes Lösen, um frei zu sein und weiterzugehen. Weiter – das bedeutet, in ein gefährliches Leben hinein… ein Leben, das uns mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder mit Verlust, Abschied, Schmerz und Ohnmacht konfrontiert.

Hab ich da Angst vor? Ja sicher. Aber ich weiß, wie ich leben will. Ich weiß, dass ich leben will. Und ich weiß, dass es Trost gibt. Trauer ohne Trost führt direkt in den Wahnsinn. Und doch – was ist Trost? Die Tatsache, dass es außer einem verlorenen Menschen noch so viel andere interessante gibt? Nein, sorry, das ist Verarschung. Zu einem einzigartigen Menschen gehören einzigartige Beziehungen – unersetzbar, unvergleichbar, unerreichbar. Wirklicher Trost akzeptiert die Fakten und versucht nicht, einen Ersatz zu geben.

Nicht der Ersatz kann trösten – hush now baby baby don’t you cry – nein, nur ein Freund kann das. Ohne Freunde, die mit mir fühlen; die spüren wollen, wie es mein Herz zerreißt, bleib ich ungetröstet. Nur von einem Freund, der mit in meinen Schmerz getaucht ist, kann ich das tröstende und haltgebende Ja zu mir annehmen. Ein Freund akzeptiert den Verlust und zeigt mir gleichzeitig, dass er immer noch da bleibt, obwohl so wichtige Dinge wegbrechen. Er zeigt mir, dass das, was übrig bleibt, das Leben lebenswert macht – er selbst macht es ja lebenswert.

Es ist sicher ein großes Privileg, solche Freunde zu haben. Und ein noch größeres, mehrere davon zu haben. Marcus und Susanne, Butcher und Damaris, Steff und Sibi, ihr habt mir das larger living ermöglicht, weil ihr mich getröstet habt. Es gibt kaum einen größeren Wunsch in mir, als dass wir uns weiterhin gegenseitig Tiefe ermöglichen, indem wir uns helfen, den Schmerz zu ertragen.

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