Beauty

August 25, 2007 at 8:43 (life, the universe and everything)

Ich bin in Berlin. Zum ersten Mal in meinem Leben… Scheiße, Leute, ich bin 34! Kann eine Stadt geiler sein? Berlin ist hässlich. Berlin ist schräg. Berlin ist echt. Ich liebe das Leben.

Berlin ist auch schön. Trotz hässlich. Auch das ist echt. Ich hab noch fast nix gesehen von der Stadt – aber ich hab sie gerochen. Ich spüre diese Stadt im Blut. Das ist faszinierend.

Ich bin hier auf dem 9to5 Festival-Camp (mehr dazu unter wirnennenesarbeit.de). Es geht um intelligentes Leben jenseits der Festanstellung. Klar – diesseits gibts ja auch fast keine Intelligenz mehr…

Hier sind ein paar hundert Leute, keine Ahnung, wieviele wirklich. Ich bin überrascht über die Attraktivität der Menschen hier. Intelligenz macht sexy… ich bin begeistert.

Natürlich gibt es hier auch Blödsinn. Vor allem Selbstdarstellung ist etwas, das einem hinter den vielversprechendsten Workshop-Titeln begegnet. Intelligenz macht sexy… und wenn sich jemand als intelligent wahrnimmt, kann er schnell feststellen, dass er attraktiv ist. Und man neigt dazu, sich in sexy Leute zu verlieben. Was man dann offenbar nicht mehr mitschneidet, ist, dass Narzissmus blöde macht. Und damit stumpf, oberflächlich – und frigidisierend.

Nix lässt die Ausstrahlung eines Menschen schneller verkümmern als haltloses Posing. Aber diese Form der Selbstdarstellung ist ja durchaus auch eine Selbstoffenbarung. Peinlich, wenn ich allen zeigen will, wie sexy ich bin… und die rübergebrachte Ausstrahlung in etwa so viel Sex hat wie ein durchschnittlicher Verkehrsunfall. Dennoch: wer sich messen lässt, hat Mut. Feedback kann zu erstaunlich schnellen Reaktionen führen. Wenn es geglaubt wird. Leider scheint mir die Bereitschaft zu kuhäugigem Konsumglauben seitens des Publikums tendenziell größer zu sein als die Bereitschaft des sich Darstellenden, Feedback selbstkritisch wahrzunehmen. Und in dem Maß, wie das Publikum kritiklos abnickt, verfälscht sich das Feedback. Der Selbstdarstellende fühlt sich bestätigt – und der Mensch wird hässlich.

Ich bin nicht hier, um mich darzustellen. Vielleicht nur, weil ich das Feedback fürchte… vielleicht auch, weil ich der Meinung bin, in diesem Forum nicht genug zu sagen zu haben. Oder das Publikum meint das… egal. Jedenfalls nutze ich fröhlich die Möglichkeit zu beobachten. Und insgesamt muss ich sagen, dass mich die Beobachtung Einzelner in der Masse hier mehr fasziniert als die der Selbstdarstellenden. Ich liebe es, schönen Menschen zuzuschauen. Das Aufblitzen von Augen, die Pointen erkennen… ein von Weisheit gekennzeichnetes Gesicht… Körperhaltungen, die Offenheit und Hinterfragbarkeit widerspiegeln… Gesprächsfetzen, die von ständiger Selbstreflexion zeugen… Leute, dieses Leben hat das Potential zu unfassbarer Tiefe. Und ich bin inspiriert…

Permalink 1 Kommentar

Here I go again

August 8, 2007 at 8:56 (life, the universe and everything)

 

Here I go again on my own (Whitesnake 1987)  

I don’t know where I’m goin but I sure know where I’ve been hanging on the promises in songs of yesterday. An’ I’ve made up my mind, I ain’t wasting no more time but here I go again, here I go again.

Tho’ I keep searching for an answer I never seem to find what I’m looking for. Oh Lord, I pray you give me strength to carry on ‘cos I know what it means to walk along the lonely street of dreams.

Here I go again on my own goin’ down the only road I’ve ever known. Like a drifter I was born to walk alone. An’ I’ve made up my mind, I ain’t wasting no more time.

Just another heart in need of rescue waiting on love’s sweet charity an’ I’m gonna hold on for the rest of my days ‘cos I know what it means to walk along the lonely street of dreams.

Here I go again on my own goin’ down the only road I’ve ever known. Like a drifter I was born to walk alone. An’ I’ve made up my mind, I ain’t wasting no more time but here I go again, here I go again, here I go again, here I go.

An’ I’ve made up my mind, I ain’t wasting no more time. 

Here I go again on my own goin’ down the only road I’ve ever known. Like a drifter I was born to walk alone ‘cos I know what it means to walk along the lonely street of dreams.

Here I go again on my own goin’ down the only road I’ve ever known. Like a drifter I was born to walk alone. An’ I’ve made up my mind, I ain’t wasting no more time but here I go again, here I go again, here I go again, here I go, here I go again

 

Schon sehr krass, wenn ich mir mein Leben so anschau, wie es geprägt ist von der Musik, die mich begleitet hat. Einerseits habe ich darin immer den Ausdruck dessen gefunden, was mich grad ausgemacht hat, andererseits hab ich diese Luft geatmet; diese Suppe ausgelöffelt – man ist ja, was man isst, ne. Jedenfalls hau ich grad viel Zeit und Geld raus, um die Musik wieder zusammenzukriegen, die mich – sei es massiv oder auch nur periphär – begleitet hat durch diese Geschichte, die mich zu dem gemacht hat, der ich bin. Und ich stelle fest, dass es sich lohnt: hier hab ich „1987″ von Whitesnake vor mir; ich erinnere mich daran, mit 14 in der Hardrock-Runde der Schuldisco zwischen umherfliegenden Körperteilen anderer lonely-streets-downwalkender Leute verzweifelt diesen Text zu dem irgendjemand, der Gott damals im besten Fall für mich war, geschrien zu haben. Und wenn ich das Ding nach 20 Jahren wieder hör, kommen die gleichen feelings wie damals, und ich krieg Kontakt zu dem desperaten Rebell, der ich damals war. Irgendwie hab ich es wohl schon gespürt, dass mein Leben viel mit Einsamkeit zu tun haben würde – oh ja, ich erinnere mich daran, dass es bereits so war, und zwar seit Jahren. Ich wusste, wie es sich anfühlt, wenn man nicht aus den Gründen abgelehnt wird, die einem genannt werden; wenn man spürt, es steckt was ganz anderes dahinter, aber man ist gegenüber dieser Falschheit so chancenlos…

Ich war ein Träumer; einer, der Ideen hatte, von denen weder die Großen noch die Gleichaltrigen was wissen wollten. Weil es sie herausgefordert hätte, sich ebenso auf diese lonely road of dreams zu begeben. Sie haben es vorgezogen, ihre Träume zu opfern; sie herzugeben für ein Linsengericht: die Sicherheit der togetherness.

Die Angst vor Ablehnung treibt uns weit… als ich mit 16 ersten persönlichen Kontakt mit dem aufgenommen hab, der die Antworten auf die Fragen haben musste, die mich getrieben haben; der die Träume gesät hatte, die mir bis dahin die Kraft zur Einsamkeit gegeben hatten – da hab ich die Träume verkauft, genauso wie die, die ich vorher so sehr dafür verabscheut hatte. Warum? Jesus zu begegnen, war ein ziemlich eindrückliches Erlebnis. Allerdings hat sein Bodenpersonal sich alle erdenkliche Mühe gegeben, mich davon zu überzeugen, dass ich das Leben mit ihm nicht richtig auf die Reihe krieg. Ich hab den Fehler gemacht, ihnen die Unfehlbarkeit zuzugestehn, die ich kurz zuvor dem Schöpfer abgespürt hatte. Und verdammt, ich wollte endlich dazugehören; vor allem zu diesen Leuten: zur Gemeinschaft der Heiligen; zu den Typen, die diesen eindrücklichen Jesus schon viel länger kannten als ich. Und sie wussten, dass es nicht mehr nötig ist, zu träumen. Ab jetzt, meine Süßer, frag Jesus, wo es hingehen soll. Lebe für ihn! Gib alles!

Und das hab ich getan. Ich glaube, wenn ich mir mal Zeit genommen hätte, ihm zuzuschauen, wenn ich ihm meine Opfer gebracht hab – ich hätte ihn hin- und hergerissen erlebt zwischen Ratlosigkeit, was er mit dem Zeug anfangen soll, und Bestürzung darüber, dass ich mir Dinge abschnitt, um sie ihm zu opfern, die Teil meiner Persönlichkeit waren, die er geschaffen hatte, damit ich leben sollte. Das Ergebnis? Ich lebte nicht mehr, und der Himmel weinte.

Lange Zeit hab ich so gelebt. Zuerst war ich damit beschäftigt, meine Persönlichkeit leerzuopfern, bis ich so traumlos ungefährlich war wie all die anderen… dann hab ich eine Weile damit verbracht, die Folgen vor mir und der Welt zu rechtfertigen… aber es hat mich nur hohler gemacht. Doch irgendwann kam er, der große Moment, dem ins Auge zu schauen mich schon wieder alles kosten sollte, was ich hatte: Ich habe gekündigt!

Nach und nach – mit all der dazu nötigen Vorsicht – wusste dieser Schöpfer in mir den Verdacht zu neuem Leben zu erwecken, dass es das nicht sein kann. Hardimitzn! Es geht darum, dass er Leben im Überfluss versprochen hat; und nach all den Jahren war ich soweit, ihn drauf festzunageln. Seitdem sind wir unterwegs, er und ich, und die lonely road ist weniger lonely, weil er dabei ist; aber es ist immer noch die einzige, die ich kenne: die lonely street of dreams.

Permalink Kommentar schreiben