Yes I can do it!
Ääänd I did it!
Ich habe geheiratet. Das mag ja manchem dünken, nichts weltbewegendes zu sein, damit dürfte mancher dieser Manchen aber falsch liegen. Denn… ich habe zum zweiten Mal geheiratet. Natürlich war die erste Ehe geschieden, das sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Aber – ich als einer, der davon redet, mit Jesus unterwegs zu sein – das heißt, einer seiner Nachfolger zu sein; einer derer, die nach seiner Meinung fragen – darf ich das eigentlich? Wo Jesus selbst doch harte Worte spricht:
„Wer sich von seiner Frau scheidet, ausgenommen wegen Unzucht, der macht, dass sie die Ehe bricht. Und wer eine Geschiedene zur Ehe nimmt, der bricht die Ehe.“
Diesen Vers zur Grundlage nehmend, hat die Christenheit, voran die katholische Kirche, in diesem Punkt aber dicht gefolgt von der freikirchlichen Szene, ein bizarres Lehrverständnis bezüglich Ehe, Ehescheidung und Wiederheirat entwickelt. Die Grundaussage ist:
„Geheiratet kann nur einmal werden. Scheidung läuft nicht.“
Nun ja, dass Scheidung eben doch läuft, mussten selbst die scheuklappenbehaftetsten Vertreter dieser These inzwischen akzeptieren… und haben ihr Lehrverständnis weiterentwickelt. Nicht mehr ganz so einheitlich, aber dafür etwas phantasiereicher. Da gibt es jetzt folgende Aussagen:
„Wer geschieden ist, darf nicht mehr wieder heiraten. Die Ehe ist ein einmaliges Sakrament.“
Oder:
„Wenn sich jemand hat scheiden lassen, hat er einen schweren Fehler begangen und muss sich mit seinem Partner versöhnen, um die gebrochene Ehe wieder herzustellen.“
Sogar dieses gibt es:
„Die Scheidung, die ein irdisches Gericht ausspricht, gilt nicht vor Gott. Was Gott zusammengefügt hat, kann der Mensch nicht scheiden.“
Abgesehen davon, dass diese abenteuerlichen Ansichten in unserer Gesellschaft absolut nicht lebbar sind, gefällt mir vor allem eins nicht daran: hier wird von einem korinthenkackenden, haarspaltenden, prinzipienreitenden, gnadenlos buchstabentreuen Gott ausgegangen. Ehrlich gesagt, es kotzt mich an, dass die Christenheit so weit runtergekommen ist.
Nicht, dass ich an einen Gott glaube, der sich selbst nicht ernst nimmt und dem seine statements egal sind. Aber dennoch will ich erstmal festhalten: ich glaube an einen gnädigen Gott. An einen, der jeden Fehler nicht nur vergeben, sondern sogar wieder gutmachen kann. Und an einen, der das nicht mit erhobenem Zeigefinger und nur wenn wir die Lektion gelernt haben tut, sondern ich habe einen Gott kennengelernt, der da sehr freigiebig ist. Der drauf abfährt, Dinge für uns in Ordnung zu bringen. Lasst uns das mal festhalten: Gott ist ein gnädiger Gott. Und ich bin ihm sehr dankbar dafür.
Um dieses wilde und schräge gesetzliche Gedankengut über Ehe und Scheidung zu entkräften, will ich an der Grundaussage ansetzen. Ich wiederhol sie nochmal:
„Geheiratet kann nur einmal werden. Scheidung läuft nicht.“
Sagt Jesus das nun oder sagt er es nicht? Ja, ich glaube, dass er das sagt. Genauso wie er sagt, dass die, die kleine Kinder davon abhalten, zu ihm zu kommen, in der Hölle brutzeln werden. Genauso wie er sagt, dass er persönlich in Auftrag geben wird, dass alle, die Unrecht tun, dort landen werden, wo das Heulen und Zähneklappern ist.
Harte Sachen sagt Jesus; da gibts nix zu rütteln. Verdammnis und Gericht hat er gepredigt. Aber auch Gnade hat er gepredigt. Was zählt denn jetzt? Wozu die harten Worte, wenn er nachher doch wieder lieb mit uns ist? Hier meine Meinung:
In seiner Bergpredigt genannten Grundsatzrede hat er den Menschen klargemacht, wie hoch die Messlatte hängt. In diesem Zusammenhang redet er auch über Scheidung. Und die Latte hängt hoch; verdammt hoch. Niemand kommt da drüber; nicht mal annähernd in die Richtung kommen wir. Und es war ihm wichtig, dass wir das verstehen: wir schaffen es nicht. Wir können die Maßstäbe nicht erfüllen. Never ever. Was wir brauchen, ist Gnade. Das sagt er ja auch recht unmissverständlich. Warum ein paar Vertreter seiner Truppe diese Gnade nun für alles gelten lassen wollen, nur nicht für tote Ehen, das ist mir einfach schleierhaft. Natürlich hege ich da den ein oder anderen Verdacht, will den hier aber nicht aussprechen… so wichtig is das nämlich nicht!
Was aber wichtig ist, das will ich nochmal sagen: es ist scheißegal, um welchen Fehler es geht und was daran alles kaputtgegangen ist. Die Einstellung Gottes ist immer, zu sehen, wie er was neues, brauchbareres, besseres entstehen lassen kann.
Ein Gedanke noch: soll das jetzt ne Ermutigung sein, schwierige Ehen zu scheiden? Absolut nicht! Dafür stehe ich, dass ich keinen Gedanken an Scheidung hatte, solang meine erste Ehe schwierig war. Erst als sie, allen Mühen zum Trotz, tot und nicht mehr zu retten war, kam der Entschluss zur Scheidung. Denn eine tote Ehe zu führen, ist eine Lüge. Sich um eine schwierige Ehe zu bemühen, das ist Pflicht.
Susanne Splitt sagte,
November 17, 2008 um 8:24
Hey Axxel, das hast du gut auf den Punkt gebracht. Gnade und Vergebung und die Chance zum Neuanfang sind eben immer gültig.
Nicole sagte,
Dezember 2, 2008 um 9:18
zu allererst mal: herzlichen glückwunsch von uns uns drei stürmen zur hochzeit (lange überfällig, sorry, aber wir haben’s erst durch die letzte race-ausgabe gecheckt, dass der große tag schon war)! wir freuen uns sooo mit dir – ehrlich! dein race-artikel zum thema war übrigens hammer – wie so oft! auch ein geiles fazit im letzten absatz. lass uns doch bei gelegenheit noch mal deine aktuelle addy zukommen. sind im sommer in ch, baseler/thuner raum – vielleicht kann man sich ja mal auf ein tässchen treffen. nur ‘ne idee. also: genieß das eheleben und bis bald!! nicole
Lukas sagte,
August 6, 2009 um 2:37
Gerade deinen The Race Artikel zum stehendpinkelnden 8-töpfigen Vergasermotor bei einem nachmittagsneutralen Café Latte gelesen und interessehalber gesucht, was dich dazu gebracht hat zum 2. Mal zu heiraten. Zugegeben finde ich das so’n Thema, wo’s im Normalfall knallt. Geknallt hat deine Sprache und die rübergebrachten Emotionen aber ebenso dein letzter Satz, der so was von sauber und klar ist, dass er Unterstrichen gehört! DANKE. L