Bekenntnisse
Ich habe mich geirrt. Das will ich allen meinen Lesern hier mal mitteilen. Fast jeder, der mal persönlich mit mir zu tun hatte, kennt mein meist höfliches Ablehnen, wenn ich gefragt werde, ob ich einen Kaffee möchte, verbunden mit der prinzipatorischen Begründung, dass ich nie Kaffee trinke. Nie, das ist so ein Wort, das man nie verwenden sollte. Und Kaffee, das war für mich auch was, das ich nie verwenden wollte. Festlegungen…
Letzte Woche ist es passiert. An einem schönen Nachmittag, die schweizer Vöglein zwitscherten in der hellen schweizer Nachmittagssonne, Kinderlein spielten auf dem nahen Spielplatz und entzückten die Nachbarschaft mit ihrem unschuldigen Lärm („gi mr dees zruckch; du bisch doch es Rieseaaarschlochchch!“) und die Vorfreude auf die baldige Heimkehr meiner lieben Gattin erfüllte mein zaghaftes Herz, da kam es plötzlich über mich wie Rotkäppchen über den armen Wolf: eine fast schon sinnliche Geilheit auf Kaffee. Das versetzte mich in Erstaunen, jedoch brachte ich es nicht fertig, meine fleischlichen Gelüste unter Kontrolle zu bringen, und warf in einem Anfall von wahnsinniger Besessenheit, diesen Geschmack verspüren zu müssen, die mir durch ehelichen Zugewinn teilhaftig gewordene Kaffeemaschine an und stand vor Erwarten geifernd wie ein pawlowscher Hund beim Erklingen der Glocke vor dem Gerät, bis es seine Aufwärmgymnastik endlich beendet hatte und bereit war, mir diese die Welt verändernde Flüssigkeit zu produzieren.
Und was soll ich sagen? Das Zeug befriedigt offenbar etwas in mir, das es früher nicht gab. Der Geschmack der Freiheit; der Genuss eines nachhaltig angekurbelten Kreislaufes; das plötzliche Absterben des Motors des Alltagskarussells – keine Ahnung, was es ist. Aber es ist geil!
Und um nun fürderhin in den Genuss fluchfreien Kaffekonsums zu kommen, fehlt noch eins: Ich tue Buße. In Sack und Asche. Ich widerrufe das Wörtchen „nie“ und bekenne mich zu meinem neuen Glauben: Kaffee ist gut. Und weil das die füdliblutte Wahrheit ist, sag ich es nochmal: KAFFEE IST GUT!!!!
marcussplitt sagte,
November 16, 2008 um 5:50
Ich habe immer gewusst, dass Deine Abneigung gegen Kaffee nur Verdrängung war, mein lieber. Das kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Dein Beitrag mich sehr berührt. Unter Tränen gewähre ich Dir Vergebung! Ehrlich!! I mean it!!! REALLY!!!! Es ist schön wenn trennendes Verschwindet!
marietta sagte,
November 16, 2008 um 7:04
„Schön wenn trennendes verschwindet“ – ich hätt´s nicht treffender sagen können. Wie oft hab ich gedacht, dass es doch jetzt grad schön wäre, wenn man noch zusammen ein Käffchen trinken könnte. In früheren Zeiten war noch der Glimmstengel gut nütze für so ein Gemeinschaftserlebnis, aber dem haben wir ja beide mehr oder weniger entsagt. Umso schlimmer (für mich), dass wir nicht mal mit ´zusammen nen Kaffee trinken´ eine Ausweichmöglichkeit gehabt haben. Wie gesagt GEHABT haben. Jetzt haben wir – und ich finds geil. Keep on drinking (coffee).
axxl sagte,
November 16, 2008 um 8:06
jaaa – sehr geil. es gibt endlich wieder Gemeinsamkeiten in unserer Ehe. Sonst hätten wir ja gar nix mehr…
marietta sagte,
November 16, 2008 um 8:10
sach ich doch.
butcherakis sagte,
November 17, 2008 um 11:51
Die Ehe tut dir gut, mein Lieber. Ich freue mich auf den nächsten Kaffee mit dir (außerdem kann ich ja jetzt sagen, dass ich dich nie aufgegeben hatte – da ich ja wusste, dass du ein Genießer bist)
Laura sagte,
November 17, 2008 um 8:03
Also ehrlich du kannst mich doch nicht im Stich lassen! Ist ja schön, dass sich alle über das „endlich überwundene Makel“ freuen. Ich nicht! Du hättest auch weiterhin bei Schwarztee mit Tonnen von Zucker bleiben können. Aber da ich hier überstimmt bin werde ich eben allein (Martin ist ja auch schon schwach geworden) auf weiter Flur vor mich hin TEE trinken…
Susanne Splitt sagte,
November 17, 2008 um 8:30
Das freut mich zu hören. Wenn du das nächste mal bei uns aufkreuzt. Gibt es einen kaffee. Da bleibt nur die Frage mit oder Ohne. welcher der beiden Fangemienden hast du dich angeschlossen?
Ben sagte,
November 17, 2008 um 10:25
Du bloggst wieder und trinkst Caffee – Herr Vorragend!
TooMuchCoffeeMan: http://www.tmcm.com
axxl sagte,
November 18, 2008 um 6:09
@ Laura,
tja, auch wenn es hart is – da musste durch. Aber aus Solidarität und weil ichs immer noch mag, wär ich bereit, so etwa einmal im Monat einen Laura-Gedenk-Tee wider das Vergessen und für die Resistance contre le Cafe zu trinken. Is das n Angebot?
axxl sagte,
November 18, 2008 um 6:12
@ Susanne: tierisch stark, ein wenig Milch (jaaa, selbst die Kühe haben bei mir wieder Verwendung gefunden außerhalb der Bratpfannen) und, wie beim Schwarztee, viiiiieeeel Zucker. Denn sexy muss sein!
Laura sagte,
November 19, 2008 um 7:59
Das Angebot ist super – deine Solidarität ist groß. Mach weiter so!
Lin sagte,
November 27, 2008 um 2:33
Axxl? Bist du es? Ich glaub, ich hör nicht recht…äh, les nicht recht. Weil DU dich auf dein „Erstes Mal“ Kaffee eingelassen hast, wage ICH wiederum mein „Erstes Mal“ in Sachen Blogkommentar (von dem ich mich bisher aus ideologischen und internetängstlichen Gründen ferngehalten habe). Und während ich hier vollgepumpt mit bestem Espresso auf leeren Magen die volle Dröhnung genieße, merke ich, dass das blogkommentieren ja gar nicht so schlimm ist wie befüchtet. Ich vergleiche es liebevoll mit einer Tasse frischem Minztee.
Mit der Bitte darum, nur meinen dreibuchstäblichen Namen zu benutzen, falls benötigt…denn so ganz will mir die Internetscheu noch nicht aus den Knochen =)
Und jetzt drücke ich auf senden?! Is ja simpel.
axxl sagte,
November 28, 2008 um 6:24
Hey lin – wie geil! Ich liiiiebe es, wenn Grenzen überschritten werden (wie vielleicht in meinem race-Artikel subtil zu spüren war…). Ich willkommne Dich in der großen Community der Blogkommentierer und sende Dir, um Dir die Bedeutung dieser soeben von Dir vollbrachten Tat in ihrer ganzen Bandbreite bewusst zu machen, folgenden link: http://de.youtube.com/watch?v=yK2MmXB9AHE . Einfach anschauen; den zweiten Teil nicht vergessen uuuund: voll abgehen!
axxl sagte,
November 28, 2008 um 6:25
ach ja, lin… es ist 19:19 Uhr – das is noch Kapazität für n klitzekleinen Espresso, nä!