another Berner namens…
Ein Berner namens Edy Gyger
fand unversehens einen Tiger,
der im Gebüsche kauerte
und auf ein Opfer lauerte.
Er war im ersten Augenblick
verblüfft, trat einen Schritt zurück
Und brummte: „Eh was isch o das?“
Dann ging er frohgemut fürbaß.
Der Tiger, den es heftig kränkte,
dass man ihm nicht Beachtung schenkte,
entfernte sich in Wut und Schmerz
schaffhausen- und sibirienwärts.
Drum gibt es jetzt dank Edy Gyger
in Bern so gut wie keine Tiger.
© Ueli der Schreiber
Man sagt dem Berner nach, er sei langsam. Das mag sein; der Beweis, dass der Berner langsamer als andere ist, steht noch aus. Eins ist er jedenfalls im allgemeinen nicht: vorschnell. Und dass Bedächtigkeit so manches Problem löst, bevor man vorschnell darüber nachdenken muss, das beweist Edy Gyger. Oder hat in den letzten 100 Jahren jemand in Bern einen Tiger gesehn?
Was ich nicht verstehe, muss mich nicht beunruhigen. Es gibt so vieles, was mir unbegreifbar erscheint. Und ich finde, der Edy hat Recht: man sollte sich seine gute Laune nicht von so einer stinkenden, verlausten Großkatzeneinheit verderben lassen. Die Tatsachen stehen ja schon fest, und es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder frisst ihn das Vieh, oder eben nicht. Sollte es die Absicht haben, Edys Leben zu beenden, wäre dieser kaum in der Lage, was dagegen zu tun. Sollte es diese Absicht nicht hegen – dann ist ja alles bestens. Keinesfalls besteht Anlass zu direkter Kontaktaufnahme, man will ja niemand zu nahe treten. Und sollte der Tiger tatsächlich dem Edy zu baldigstem Ableben verholfen haben wollen, dann war der Überraschungsmoment jedenfalls das einzige, das den Edy heut noch atmen lässt.
Also: nur die Ruhe.