Die Wirtschaft isch dees wo der Wirt schafft

November 14, 2008 at 7:00 (Blogroll, life, the universe and everything)

 

   

Ich habe am Wochenende gehört, dass Porsche ein einmaliges Ding in der Wirtschaftsgeschichte gedreht hat: Bei einem Umsatz von 7,4 Mrd. € einen Gewinn von 8,57 Mrd. € einzufahren, das hat bisher noch keiner können. Auch wenn bei mir die erste Version meiner Steuererklärung manchmal ähnlich aussieht, so kommt doch beim Überarbeiten meist schnell der Fehler zutage. 

Nicht so bei Porsche. In einer Zeit, wo alles, was Wert hat, ins Schwanken gerät und Millionen Anleger viel bis alles verlieren, machen die Schwaben nicht nur den höchsten Gewinn ihrer Geschichte, sondern lassen diesen auch noch höher als den Umsatz ausfallen. Ich verstehe natürlich extrem wenig davon, wie sie das gemacht haben. Das will ich auch nicht wirklich… aber was ich verstehe ist, dass mir dadurch das Gefühl genommen wird, dass Geld Wert hat. Offensichtlich ist Geld und der Wert, den Geld zum jeweiligen Zeitpunkt verkörpert, nur noch eine Kugel im Flipperautomat milliardenschwerer Konzerne. 

Was heißt das für mich? Letztendlich eine Botschaft an die, die wollen, dass ich ihnen mein Geld anvertraue, sei es in Form von Aktien oder Anleihen, Optionsscheinen oder Anteilen; Fonds oder was auch immer: ich vertraue Euch nicht. Macht was ihr wollt, aber ich lege mein Geld lieber in ein gutes Essen oder einen schönen Urlaub an, bevor ihr es wieder verzockt. 

Mir ist es nämlich völlig wurscht, dass ich mit Porsche diesmal Gewinn gemacht hätte. Wer weiß, wann ich mit denen Verlust mache? Solange hier die Gewinnmaximierung auf Teufel komm raus verfolgt wird, braucht man sich nicht wundern, wenn er dann auch ab und zu rauskommt, der Teufel. Und wenn er das tut, grinst er. Also: meins bleibt meins. 

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Wer braucht Taschen? oder Wie kann ich einen fremden Gott erleben?

November 14, 2008 at 6:37 (Blogroll, life, the universe and everything)

Die Bibel; Lukas 9,3:

… und er sprach zu ihnen: „nehmt nichts mit auf den Weg: weder Stab, noch Tasche, noch Brot, noch Geld, noch soll jemand zwei Unterkleider haben!“

Das und mehr sagt Jesus zu seinen Weggefährten, als er sie allein losschickt, damit sie ihren Job tun. Hardimitzn: als ob es nicht schon Stress genug bedeuten würde, für diesen alles beanspruchenden Mann unterwegs zu sein, verbietet er nun auch noch, Vorräte mitzunehmen und für die eigene Unabhängigkeit zu sorgen. Die Leute, die hören und erleben wollen, was die Jungs zu sagen und zu geben haben, werden schon für sie sorgen.

Vor ein paar Wochen war ich auf einem Treffen von Leuten, die in ihrem eigenen Lebenskontext aktiv unsere Gesellschaft gestalten wollen: Querdenker, Mitdenker, Gegendenker, Hinterfrager, Vorsager, Spinner, Geschäftsleute, Lebenskünstler, Vorreiter, … n Haufen engagierter Leute jedenfalls, denen unsere Zukunft was bedeutet. Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wie Menschen in der Postmoderne Gott erleben. Darüber gibts n paar coole Gedanken auf youtube, die ich empfehle gesehen zu haben:

Die Moderne Christenheit hat den Fehler begangen, sich von der Welt unabhängig zu machen. Nicht nur hat sie sich abgeschottet, um in heile-Segen-Verhältnissen ihren unterschwellig selbst empfundenen Minderwert ignorieren zu können – auch hat sie sich als so weit im Reiche Gottes lebend betrachtet, dass sie die Freundschaft, das Leid, den Spaß und die Leidenschaften der Welt nicht mehr als teilenswert gewürdigt hat. Jesus macht hier ein anderes Prinzip klar: Jungs, ihr habt was zu sagen über die Kernfragen von Sinn, Gottes Interesse am Menschen und Erlösung. Sorgt für Glaubwürdigkeit, indem ihr Leute von Zwängen und Krankheiten befreit, und indem ihr in Abhängigkeit davon lebt, ob sie euch aufnehmen. Mit anderen Worten: lasst euch auf ihre Welt ein. Taucht ein in ihren Alltag! Nehmt von ihnen, dann werden sie auch von euch nehmen.

Ehrlich gesagt, ich glaube, der Missionsbefehl wär erfüllt, wenn wir das täten. Wenn wir uns auf Menschen einlassen, entsteht Beziehung. Das führt zu gegenseitigem Ernstnehmen und zu Austausch über die Dinge, die für die Beteiligten bedeutsam sind. Das hieße, dass sich Menschen, die Gott nicht mehr auf dem Schirm haben, so lange mit ihm beschäftigen, dass sie nicht ständig von seinem schwach qualifizierten Bodenpersonal abgelenkt werden. Dazu noch n Zitat aus nem Buch, das ich grad les (und außer dieser Stelle bisher bemerkenswert flach finde): „Während ich [...] im Bett liege, frage ich mich, was Gott eigentlich für mich ist.

Viele meiner Freunde haben sich schon lange von der Kirche abgewendet. Sie wirkt auf sie unglaubwürdig, veraltet, vergilbt, festgefahren, unbeweglich, geradezu unmenschlich und somit haben die meisten sich auch von Gott abgewendet. Wenn sein Bodenpersonal so drauf ist, wie muss er selbst dann erst sein… wenn es ihn überhaupt gibt! Geh mir weg mit Gott, sagen die meisten. Ich sehe das anders.

[...]

Gott ist für mich so eine Art hervorragender Film [...], mehrfach preisgekrönt und großartig!

Und die Amtskirche ist lediglich das Dorfkino [...] die Projektionsfläche für Gott. Die Leinwand hängt leider schief, ist verknittert, vergilbt und hat Löcher. Die Lautsprecher knistern, manchmal fallen sie ganz aus [...]. Man sitzt aud unbequemen Holzsitzen und es wurde nicht mal saubergemacht [...]. Viele werden rausgehen und sagen: „Ein schlechter Film.“ Wer aber genau hinsieht, erkennt, dass es sich doch um ein einzigartiges Meisterwerk handelt.“ (Hape Kerkeling, Ich bin dann mal weg).

Ich wünsche mir, dass die, die mit Jesus unterwegs sind, weniger Zeit damit verbringen, am Zustand des Kinos zu arbeiten. Der ist nämlich höchstens minimal zu verändern… aber in Beziehung mit Menschen zu leben, die anders drauf sind, macht peinliche Erklärungen überflüssig: wer sein Leben teilt, versteht und wird verstanden.

Ach ja: wozu jetzt der Film mit der Kleinen am Anfang? Zugegeben, der Zusammenhang ist nicht allzu offensichtlich, aber geil isses, oder?

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Nu isser Präsident…

November 14, 2008 at 6:03 (Blogroll, life, the universe and everything)

…der Obama. Das wird allerorten gefeiert und als historisches Ereignis gewertet. Hm. Weil er der erste Schwarze ist? Nicht wirklich. Vielmehr, weil er in seinem Wahlkampf die Erwartung geschürt hat, dass jetzt alles anders wird mit der amerikanischen Politik. Kaum was will er so machen wie das bisher so Tradition war bei den Staatlern. Es kostet wenig, das vorher zu versprechen. Teuer wird die Umsetzung. Ich wünsche ihm (und noch mehr mir), dass möglichst viel davon klappt, kann aber die weltweite Euphorie nicht ganz teilen. Liebe Welt, liebe Mitmenschen: das ist einer von uns, der da halbhemdig im Rampenlicht steht! Ein Mensch; einer von der Spezies, die ihren Planeten versauen, Messiase kreuzigen und den Zahnpastatubendeckel vergessen draufzuschrauben. Vielleicht ist er ja ein außergewöhnlicher Mensch; bestimmt aber ist er kein Übermensch. Und die Aufgaben, die er sich da auf die Agenda gesetzt hat, die erfordern übermenschliches. Kann uns das mal klar sein? Denn wenn wir ihn jetzt schon überfrachten mit unseren Erwartungen, dann wird er auf jeden Fall dran scheitern.  

   

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Heute wählt Amerika

November 4, 2008 at 10:41 (Blogroll, life, the universe and everything)

… und ich hab keine Ahnung, was ich ihnen wünschen soll. Da ist ein junger Liberaler, der mit bobderbaumeisterlichen „Yes, we can do it!“-Sprüchen den Wandel, über den er inhaltlich nicht viel Worte verloren hat, beschwören will. Er kann Geschichten erzählen. Kann er auch Geschichte schreiben? Reicht das, Unzufriedenen eine Stimme zu geben, neue Hoffnung zu vermitteln und den verkappten Helden im kleinen Ottonormalamerikaner zu ehren? Vielen Amis scheints zu reichen. Ich habe Bedenken. Auch wenn der andere nicht viel mehr Inhalt von sich gibt, dafür stockkonservativ (wenn auch nicht orthodox) auf der abebbenden Welle des Weltherrschaftspatriotismus dahersurft…  

Umfragen zufolge waren noch nie so viele Amis bereit zu wählen. Das mag gut oder schlecht sein. Ehrlich gesagt, mir isses völlig wurscht, wie viele Amis wählen. Ich bewundere die Bereitschaft, diese Unsummen zu sammeln, zu spenden und auszugeben, nur um die „freie“ Meinung eines Volkes mit derartiger Inhaltslosigkeit zu beeinflussen. Weniger wurscht ist mir das Ergebnis. Wen wählen die? Und wo es bei bisherigen Amiwahlen noch einfach war rauszufinden, worauf mein Herz hofft, kann ich es diesmal nicht sagen. Es war einfach nicht genügend Grundlage da. Reden der Kandidaten anhören? Vergiss es. Auf ihren homepages nachlesen? Kaum mehr Erfolg zu verbuchen; und wenn ich mir anschau, wieviel Amis die Reden hören und wieviel das Programm lesen… sprich, aus wie wenig Information sie ihre Überzeugung betonieren, da wirds mir komisch. Gut, ich muss das nicht verstehen – das is ne andere Kultur, und wegen mir dürfen die das auch. Am liebsten hätt ich ja gar keine Ahnung von ihrem Präsident, und meinetwegen könnten sie auch n König haben. Wenn sie sich dann nur nicht weltweit so einmischen täten. Nicht, dass ich das nur negativ find: immerhin haben sie mit ihrem Sendungsbewusstsein damals den Hitler in die Knie gezwungen; da bin ich ihnen sehr dankbar für. Aber mir geht es auch weniger um ihre sich selbst angemaßte Rolle der Weltpolizei. Mir geht es vielmehr darum, dass sie bezüglich ihrer Werte und ihrer Moral so verdammt expansiv denken. Jemand, auf dessem geistigen Bildschirm das Andersdenken Andersdenkender nicht vorkommt, der is mir zu heikel für so ne Rolle. Also isses doch wichtig für mich, wen sie wählen, wo ich es doch kaum beeinflussen kann. Da bleibt mir so eine unzufriedene Spannung… bald wissen wir mehr. 

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Weihnachtsspinnerei

November 4, 2008 at 10:40 (Blogroll, life, the universe and everything)

So, jetzt leb ich hier in der Schweiz. In einem der wohlhabensten Länder auf diesem Planet. Das Land des Bankgeheimnisses, der schönsten Skigebiete und des Emmentaler Käses. Hier kommt Heidi her, Wilhelm Tell und Josef Ackermann. Hier sagt man noch ehrfurchtsvoll „Ihr“ statt „Sie“, hier wurde 1992 die Todesstrafe im Militärstrafrecht abgeschafft und hier darf seit Ende 1990 sogar die letzte Frau wählen. Ein Land, das über 700 Jahre für Sicherheit und demokratische Entwicklung steht. Ein Land mit einem Bruttoinlandsprodukt von 38000 € (ja, ich habs umgerechnet!), mit astronomischen Lebensmittelpreisen und Mieten, die einen mit den Ohren schlackern lassen. Kurz, ein solides, sicheres, reiches Land. Dennoch auch ein bescheidenes – man hat nicht den Eindruck, dass hier besonders geprotzt wird; vielmehr wird der Wohlstand mit Understatement gelebt. Ungesunder Ehrgeiz ist den meisten Schweizern fremd – wenn nicht, verlassen sie gerne das Land und steigen in die Führungsriege Deutscher Banken ein.

Wie läuft das mit Weihnachten in so einem Land? Spinnen die auch so wie wir Deutschen? Ja, sie spinnen. Aber nein, so wie die Deutschen nicht. Während in deutschen Supermärkten die ersten Weihnachtsmänner bereits in zu kräftiger Spätsommersonne dahinzuschmelzen drohen, tauchen sie hier ein bis zwei Monate später auf. Immer noch mindestens einen Monat zu früh… Während in deutschen Städten die Lücke zwischen sommerlichen Stadtfesten und Weihnachtsmarkt fast nicht mehr ins Gewicht fällt, gibt es hier noch weite Strecken im Kalender der Händler, die man einfach Alltag nennen kann. Das ist erholsam und schön; man hat den Eindruck, nicht so schreien zu müssen, um gehört zu werden.

Also bisher fast nix zu bemerken von weihnachtlicher Stimmung im Land (wobei das sicher nicht mehr lange Jahre so geht: Aldi Süd breitet sich hier grad aus, und wo Aldi ist, wird jede Gelegenheit auf Kommerz und Umsatz genutzt. Also wird auch in der Schweiz der badebehoste Weihnachtsmannkäufer evolutionär-selektiv bevorteilt werden. Aldi rockt halt).

Sind die Schweizer nun besinnlicher, weil sie ihr Weihnachten nicht schon ab September mit künstlich kitschiger und kommerzieller Stimulans überreizen? Schauen sie mehr auf das Kind in der Krippe als die Deutschen? Sind sie am Ende vielleicht sogar – gläubiger?

Ohne die genauen Zahlen gläubiger Menschen in auch nur einem der beiden Länder ausgemacht zu haben, würde ich dennoch klar mit NEIN voten. Die Leute beider Nationen tun schon sehr viel dafür, um sich von diesem kleinen verdreckten Bündel Mensch abzulenken, das da zur Welt kam… oder wollen sie sich nur von dem ablenken, was sie mit ihm verbinden, nämlich das ganze „du sollst nicht“ und „du darfst nicht“? Jeder auf seine Art: die Deutschen mit reizüberflutendem Kommerz, die Schweizer mit solider Beständigkeit? Eines scheint mir spürbar: hinschauen liegt weder hier noch dort im Trend. Vielleicht sollte ihnen mal jemand sagen, dass dieser Jesus anders ist. Denn das isser.

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Wieder da?!

November 4, 2008 at 10:32 (Blogroll, life, the universe and everything)

Ich bin wieder da. Jedenfalls hab ich mir das vorgenommen, und dann werd ich das auch tun, denk ich. 

Warum war ich eigentlich weg? Über 6 Monate nix geschrieben, das muss doch n Grund haben. Hat es auch. Ich hatte nämlich einfach die Birne nicht frei dazu. Hab nämlich die Frau meines Lebens kennengelernt und auch geheiratet, bin in die Schweiz umgezogen und nun hier am Existenz aufbauen. Das war ne ziemlich intensive Zeit, und dem Leser, der mich vermisst hat, möge es doch bitte als Entschuldigung dienen, gleichwie ich an dieser Stelle meine Wertschätzung und meinen Dank allen aussprechen will, die mich wieder auf dem Schirm haben. 6 bloglose Monate Treue – das ist beachtlich! Dafür gibts in Zukunft auch n bissl mehr von mir. 

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church & me

April 21, 2008 at 12:06 (life, the universe and everything)

Ich habe irritiert. Entschuldigung!

Nein, ehrlich: ich habs gern getan.

Worüber? Womit?

Ich habe Aussagen über die Glaubensgemeinschaft der Christen – lokal und global –  gemacht, ich habe Freunde, die Aussagen über Gemeinde bzw. ihre eigenen Vorstellungen gemacht haben, und diese Aussagen passen offensichtlich nicht in das landläufige Bild der Sache. Und da ich gebeten wurde, doch auch mal zu sagen, was ich konstruktives darüber denke und nicht nur, was ich darüber zu meckern hab, hier mein statement.

Ich finde die Idee, dass Menschen, die in ihrem Leben mit Jesus unterwegs sind, zusammengehören, sehr geil. Diese Zusammengehörigkeit muss gelebt werden, sonst ist sie nix wert.

Wie sie gelebt wird, das ist Stilsache und somit der Gemeinschaft überlassen. Es mag ein paar Richtlinien geben, und das ist gut so, aber es gibt jedenfalls ein riesiges Gestaltungsfeld. Und hier ist Vielfalt zu begrüßen! Nicht alle Menschen sollen, wollen oder können so leben wie ich, und ehrlich: ich fänd das auch Scheiße. Wenn ich kritisiere, dann tu ich das nicht, weil ich nur den Weg der von mir erwählten Gemeinschaft als sinnvoll akzeptieren kann, sondern weil ich was zu meckern finde. Und da find ich was; nicht nur bei den andern! Dennoch – einzelne Punkte, über die man meckern kann, können doch bitte nicht zu hopp oder topp führen. Wer sich in diese Richtung von mir auf den Schlips getreten fühlt, tut das völlig umsonst!

Das für mich wichtigste Kriterium, nach dem ich Systeme betrachte, ist der alte Werbespruch von Honda: „Erst der Mensch, dann die Maschine“. Wieviel System braucht der Mensch? Sicher nicht viel! Andersrum: wieviel Mensch braucht das System? Aha: wir sind auf der richtigen Spur.

Wo das System nicht jeden braucht, der dazugehört; d.h. wo es sich, um weiterzuleben, nicht krass verändern muss, wenn einer es verlässt – da ist der Mensch fürs System und nicht das System für den Menschen da. Das heißt, es hat missbräuchliche, knechtende und unterdrückende Eigenschaften.

Immer wieder haben Menschen Systeme geschaffen, die sich verselbständigen und Nahrung in Form von Individualität, Menschlichkeit und Leben verzehren. Eigentlich muss man sogar feststellen, dass praktisch kein System bekanntgeworden ist, das nicht so lief. Krass, oder? Woran liegt das?

Bestimmt nicht an der Idee! Denn die war oft dem Ergebnis sogar entgegengesetzt! Ob in Religion, Politik oder Kultur. Also liegt es nicht an der Initiation, sondern irgendwann kippt da was. Und das ist nicht schwer zu finden: immer, wenn ein System kippt, das ursprünglich für den Mensch gedacht war, will einer darin größer sein als die anderen. Aus dem Kindergarten wissen wir ja noch, dass uns diese Idee alle reitet… und leider ist genau hier auch der Schwachpunkt aller Systeme! Gegen Narzissmus und die daraus folgende Sucht nach Grandiosität gibt es kein Automatismus, den man dem System einpflanzen könnte.

Also bleibt mein Misstrauen gegenüber allen Systemen, in denen die Leitenden unhinterfragbar sind. Ich gehe sogar so weit, dass ich mich weigere, mich einem Leiter anzuvertrauen, den ich nicht persönlich hinterfragen darf. Soviel Verantwortung für mich selbst muss schon sein! Natürlich bedeutet das, dass Systeme, in denen es wirklich ans Eingemachte geht, ziemlich klein sein müssen. Ja und? Der einzige Verlust, der für mich feststellbar ist, beziffert sich auf ein gewisses Wir-Gefühl, das eine große Masse Menschen besser vermitteln kann. Es spricht ja auch nix gegen Massenveranstaltungen ab und zu! Darüber hinaus verliert in kleinen Systemen die Möglichkeit der Machtausübung. Ach ja: das bequeme Geführtwerden, das verliert auch. Denn wir haben ja immer mindestens zwei profitierende Seiten im System, und es wäre ungerecht, die Schuld nur den Grandiosen zu geben!

Was heißt das? Verantwortung nehmen, Leute! Für Dein Leben stehst Du selber, und das Argument „das hat mein Leiter so gesagt“, das zog noch nie. Und die Zusammenfassung, die sagt, wie ich zur Idee der Kirche stehe? Flache Strukturen, kleine Systeme, vertrauensvolle Beziehungen. Noch Fragen?

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April 7, 2008 at 12:02 (life, the universe and everything)

Dieses Video hab ich neulich in einem Gottesdienst in ner großen Gemeinde gesehen (ja, so etwa einmal in zwei Jahren geb ich mir sowas…). Das kam da als Einleitung, mit der Botschaft: „besteht das Leben denn wirklich nur aus spielen? Hat es denn keinen tieferen Sinn?“ und mehr solche Betroffenmach-Fragen. Nachdem die Betroffenheit aller zufriedenstellend an Gesichtern und Körperhaltung ablesbar war, offenbarte uns die Einleiterin, dass das Leben viiiieel ernster ist. Spielen sei nicht alles, denn es gibt ja auch noch Gott, der nur darauf wartet, uns damit zu beschenken, von Stund ab wöchentlich mit Gottesdiensten dieser Art gesegnet zu sein – denn ein Leben mit Jesus, so meinte sie verheißungsvoll, sei viel erfüllender als die Spielerei. Garniert wurde das ganze mit ein paar Seitenhieben auf die Spielbegeisterung unserer Generation: die postmoderne Verstetigung der Jugend; uns gehts dermaßen gut, dass wir nicht mehr dankbar sind und nichts mehr richtig ernst nehmen… mir kam das Kotzen.

Warum?

Warum muss man Spiel und Leben trennen? Das Leben hat erstaunliche Parallelen zu einem Pokerspiel: Du kannst nicht beeinflussen, was Du für Voraussetzungen bekommst – aber Du kannst was draus machen. Poker ist kein Glücksspiel, sagen die Profis. Du musst wissen, wie hoch der Einsatz sein soll, wann es sich lohnt zu reizen und wann man besser passt. Und Du musst bereit sein, einzelne Runden zu verlieren. Du bestimmst das Risiko.

Und der Jesus-Faktor? Ich glaube, ein Leben mit ihm ist interessanter als ohne ihn. Er ist ein erstaunlicher Typ. Aber es ist mal ganz sicher nicht risikoärmer. Es bleibt ein Spiel; vielleicht wird es das sogar erst richtig. Und er selber weiß wohl, um was es geht – er hat alles auf eine Karte gesetzt. Und er hat gewonnen. Geil irgendwie, oder?

Ich find es genial, dass unsere Generation so gern spielt. Das Leben ist kein Ponyhof… (danke an F. für den Spruch!). Das Leben ist ein Spiel. Bring Einsatz. Schätz das Risiko ein. Lerne zu überleben. Play more.

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Beschissene kleine Welt 2

April 2, 2008 at 7:23 (life, the universe and everything)

Ich hab neulich Sara Neuhausen kennengelernt. In ner Kneipe. In ner Großstadt. Dort, wo viele Studenten leben. Sara hat die Welt gesehen. Sie war in Kambodscha, im Kongo und Japan. Sie hat humanitäre Dienste geleistet in Indien, in Südafrika und in Chile. Sie war überall. Sie hat einen ewig weiten Horizont, und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Sara ist Anfang 30, und das Gespräch bekam nach relativ kurzer Zeit Flirtcharakter. Ich fühlte mich prächtig: ein gutaussehendes weibliches Gegenüber, das verstand, von was ich redete und das selbst Dinge mit Sinn und Inhalt zu erzählen hatte. Eine Lady, die weiß, was sie will. Das hat was; da läuft meine Endorphinproduktion auf Hochtouren.

Wir haben uns über Gott unterhalten, über diese Welt und was es bedeutet, mit ersterem in zweiterer zu leben. Wie das ist, ein in die Postmoderne geworfener Mensch zu sein; das Leben ständig neu definieren zu müssen, weil man sich weigert und sich auch garnicht in der Lage sieht, etwas ungeprüft zu übernehmen, nur weil es schon immer so war. Zu oft haben wir die 50jährige Erfahrung mancher Möchtegernratgeber als 50 mal einjährige Erfahrung entlarvt – und dann auch noch eine völlig irrelevante.

Wir sprachen über unsere Sicht von Gerechtigkeit (im Diesseits eine Utopie, im Jenseits eine Hoffnung), von Frieden (fighting for peace is like fucking for virginity), von Männlichkeit und Weiblichkeit (Gender mainstream? Nein danke!) und Schönheit (das Diesseits ist genießbar). Mann, waren wir uns einig.

Hm. Oder doch nicht? Im Verlauf des Gesprächs beschlich mich ein seltsames Gefühl, das mich veranlasste, nicht zuviel von mir preiszugeben. Das hat mich genervt – ich wollte mich mit Haut und Haaren in diesen Flirt stürzen, und so war ich wieder mal versucht, die innere Stimme zu ignorieren. Die hörte jedoch nicht auf, mich mit seltsamen Gefühlen zu beschleichen, und so nahm ich mir eine kurze Auszeit und beschlich meinerseits die Toilette, um mal klarzukriegen, was da läuft. Ausführliches Wasserlassen hat mich schon immer in der Reflexion aktueller Begebenheiten unterstützt.

Mein Gefühl war, mal hinter die Dinge zu schauen, die auf so viel gegenseitige Zustimmung stießen. Also führte ich das Gespräch weiter… nicht mehr vorgebeugt und auf Gemeinsamkeiten geiernd, sondern zurückgelehnt und hinterfragend. „Was bedeutet das für Dich?“, „Wie lebst Du das?“ und „Fühlst Du Dich dabei auch immer so?“ waren jetzt meine Fragen. Und zu meiner Überraschung fand ich heraus, dass wir wohl auf den gleichen Wortschatz zurückgriffen, aber völlig verschiedene Sprachen sprachen. Sowas.

Das, was sich nach Tiefe angehört hatte, erwies sich als ein Potpourri von Formulierungen begabter Dichter und Denker – griffig und schlagend im Klang, aber nicht be- oder selbst ergründet. Auf eine faulig schmeckende Weise fühlte ich mich an Corinna Hafner erinnert. Und auch wieder nicht: Corinna hat keine Breite, aber Tiefe. Sara hat Breite, aber praktisch keine Tiefe. Und letztendlich, nachdem ich Sara in ihrem Lebensumfeld kennengelernt hab, fand ich eine geordnete kleine Welt voller Dos und Don’ts. Ein sehr enges Wertesystem im Alltag, überlagert vom intellektuellen Anstrich übernommenen Freidenkens.

Einer wie ich kann das nicht einfach so akzeptieren. Klar, Sara will ich nicht verändern; wenn sie das will, muss sie das selber tun. Aber Sara ist ja auch kein Einzelfall. Ich hab die letzten Jahre Legionen von Saras getroffen; nicht mit allen hab ich geflirtet und nicht alle waren weiblich (und natürlich hieß keine einzige von ihnen Sara). Nein, bei Osama: ich wollte wissen, warum das so ist.

Nicht, dass ich das Phänomen „Breite statt Tiefe“ nicht schon kannte… aber nicht von jungen Menschen, die ohne Verbindlichkeiten und ohne große Last an Verantwortung in die Welt ziehen konnten, sondern vielmehr von solchen, die sich auf Verantwortung eingelassen hatten und schmerzhaft daran gescheitert waren. Wenn die Tiefe zu sehr schmerzt, man aber dennoch die pure Oberflächlichkeit nicht ertragen kann, dann ist die Flucht in die Breite ein probater Ausweg. Vor allem, weil fast keiner merkt, was wirklich los ist…

Ehrlich, das Ergebnis, zu dem ich komme, regt mich auf. Es bleibt mir nämlich wenig übrig als zu erkennen, dass wir eine Generation von Weicheiern und Schattenparkern sind. Wäschezumamibringer, Cyberflirter und Aktienmitlimitkäufer. Ambergmithandbremseanfahrer, Bahnüberganganhalterundlinksundrechtsschauer, Standheizungsfernbediener und Nuramwochenendesexhaber. Lippenbalsambenutzer, Mallorcaferienhausbesitzer und Navigationssystembenutzer. Die Liste ist endlos fortsetzbar, und viele haben das getan… Leute, ist das unsere Generation? Sind wir das, diese Konflikt- und Spannungsvermeider? Offensichtlich… und es gibt ja auch Bücher ohne Ende über dieses Phänomen.

Ich hab eine Bitte an uns: können wir uns vielleicht entscheiden, ob wir Corinna Hafner sein wollen oder ob wir mit Breite in die Tiefe wollen? Sara ist kein Zustand; Sara ist peinlich. Schmerz, der schmerzt zu vermeiden - da hat jeder, der das tut, mein vollstes Verständnis. Aber prophylaktisches Schwanzeinziehen – das ist wortwörtlich der Coitus interruptus im großen Sex des Lebens. Wir sind nicht so bedroht, dass wir uns so schützen müssten. Auch wenn man uns das glauben machen will; ich weiß. Dennoch: was ich glaube, das entscheide ich.

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Erziehung ist Glücksache…

Januar 29, 2008 at 7:50 (life, the universe and everything)

 

„Korbinian, ich geh jetzt! Tschühüs!“ So misstönt eine weibliche Stimme in mein Ohr. Die dazugehörige Dame hat sich ob der räumlichen Enge etwa30 Zentimeter neben meinem Ohr postiert. Ich bin irritiert. Meint sie mich? Ich heiße anders, aber weiß sie das? Ich schau sie mir an. Nein, sie meint nicht mich. Sie meint ihren Sprössling, unverkennbar ein Sohn der Mutter, der sich hier im IKEA-Kinderland verlustiert. Und zwar reichlich unbeeindruckt von den Aufbruchsmotivationsversuchen seiner Ahnin. Die ruft schon eine geraume Weile nach ihm, stelle ich fest. Bis zu diesem Moment hab ich noch versucht, diese mein linkes Trommelfell perforierende Stimme durch Errichten eines PAL-Feldes aus der Welt zu schaffen, aber nun sagt mir mein Sympathikus, dass es Zeit wird, sich einer Herausforderung zu stellen. Zu deutsch, die Alte nervt.  

Während rechts von mir bereits trefflich gelästert wird, wie man seinem Kind so einen dämlichen Namen geben und den dann auch noch quer durch die IKEA-Welt proleten kann, verwirren sich meine mit der Lösung dieser Situation beschäftigten Affekte und Gedanken zu einem mittelstarken gordischen Knoten. „Warum bin ich hier? Warum geh ich nicht einfach?“ lässt sich noch relativ einfach beantworten. Ich bin hier, weil ich für Freunde was mitbringen wollt und meiner kleinen Tochter versprochen hab, dass wir uns danach sinnlos am Endlosrefill mit Preiselbeerlimo zukippen werden und sie anschließend im Kinderland spielen darf, bis sie nicht mehr will. Ich muss also bleiben; kann mich nicht entziehen.  

„Warum tut sie das? Wie kann ich sie dazu bewegen, damit aufzuhören? Wie kann es sein, dass dieser fünfjährige Pupser seiner Mutter zeigt, wo der Bartel den Most holt? Soll ich reingehen und das kleine Monster packen und ihn der Keiferin in die Arme drücken?“ Solche und ähnliche Gedanken, bis dahingehend, dem Kleinen eine zu verpassen und ihm zu sagen: „tu endlich, was deine Mutter sagt, sonst nervt sie noch bis IKEA schließt!“ oder der Alten einen Kurs für positive Erziehungsstrategien zu empfehlen, verhedderten sich in meinem überforderten Hirn. Deutschland, wo stehst Du?  

Ich bin gerne bereit zuzugeben, dass meine Erziehung Mängel hat. Meine Tochter lernt sicher manches, was ihr helfen würde, weniger anzuecken, bei mir nicht. Narzisstische Motive, Messiaskomplex und der gute alte Egoismus schleichen sich in so manche Erziehungshandlung. Ginge das besser? Klar. Ist es nötig, dass das besser ginge? Ganz ehrlich: ich persönlich geb keinen Pups dafür. Warum? Weil sie es lernen kann, wenn es nötig ist. Vielleicht schmerzhafter, als wenn der Papa es gleich richtig gemacht hätte, aber nicht existenzbedrohend. Und ich kann sie eh nicht vor dieser Art Schmerz bewahren – ich weiß ja nicht, was dort akzeptiert sein wird, wo sie sich einmal bewegen wird. Also bin ich lieber gleich authentisch.  

Will ich jetzt sagen, dass es schlimmer ist, seinem Kind keine klaren Grenzen zu setzen? Exakt. Eine Mutter, die so gummiartig dehnbar ist; deren Ausraster der kleine Despot so minutiös timen kann, die gibt keine Sicherheit. Und das brauchen die Kleinen: das unumstößliche Wissen, dass die Alten klar sind. Dass gilt, was die Ahnen sagen. Denn wenn das nix gilt, was den Zeitpunkt des IKEA-Verlassens zu terminieren sucht, wie verlässlich soll dann bitte alles andere sein, was diese Person von sich gibt? Wenn Mama schon solcherart Primitives nicht scharf abgewickelt bekommt, wie stark ist sie dann? Wenn so ein Windelcowboy seine Altvorderen so steuern kann, sind dann Liebe und Zu-ihm-Halten nicht auch nur von ihm erzeugte Reaktionen, die jederzeit umkippen können, wenn die Großen mit stärkeren Reizauslösern konfrontiert sind? Muss eine derart bedrohte Art nicht ständig auf der Pirsch sein und dafür sorgen, das er der stärkste Reizauslöser bleibt?  

Ich will nicht so weit gehen, von Inkonsequenz auf Liebesfähigkeit zu schließen. Das ist auch nicht das Problem. Das Problem ist, dass die Kleinen es tun.  

Und wer der Meinung ist, ich ziehe zu sehr über überforderte Mütter her, dem sei das Bild vervollständigt: Die Mutter war mit zwei Kindern da. Das andere saß unbeteiligt am Tisch, schaute bedauernd auf seine Zigarettenschachtel (bei IKEA darf man nicht mehr rauchen)oder autistisch ins Leere, hatte ein leeres Bierglas vor sich und in etwa das Alter der Mutter – und trug den gleichen Ring am Finger wie sie. 

Deutschland, du brauchst Mütter, Väter und Eltern. Oh mann.   

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